Grundsatzpapier Bildung Grüne Baselland

Wir Grünen Baselland stehen für ein attraktives, vielfältiges und
integratives Schulsystem in der Nordwestschweiz, für mehr
Gestaltungsspielraum und weniger Bürokratie. Mit Tagesschulen müssen
junge Familien in Beruf und Ausbildung nicht mehr zurückstecken, um ihre
Kinder zu betreuen. Nur motivierte, gut ausgebildete Lehrpersonen bringen
auch gut ausgebildete Jugendliche hervor. So stärken wir das Vertrauen
zwischen Eltern, Politik und Schule.

Einführung:
Im Bereich der Bildung sind die Kantone zuständig für die Ausgestaltung der
Volksschule und Sekundarstufe II. Es scheint uns Grünen Baselland wichtig,
einige Grundsätze zur kantonalen Bildungspolitik zu definieren. Dazu zählen
strukturelle Bedingungen, Zielorientierungen und Fragen zur
organisatorischen Umsetzung.

These 1
Vertrauen, Wertschätzung und Motivation sind drei Grundpfeiler für erfolgreiches
Lehren und Lernen.

Bildung hat das Ziel, jungen Menschen Fähigkeiten und Wissen zu vermitteln, die ihnen
ermöglichen ihr Leben zu bewältigen und eine lebenswerte Welt mitzugestalten. Dies
geschieht durch die Vermittlung von Freude am Lernen und Anregungen zur Bildung von
Herz, Geist und Hand. Vertrauen, Wertschätzung und Motivation sind darum essenziell
für erfolgreiches Lehren und Lernen an der Schule.
Bildung, die auf diesen Werten aufbaut, braucht eine vertrauensvolle Kooperation
zwischen den verschiedenen Akteuren staatlich verantworteter Bildung. Die
Zusammenarbeit staatlicher Gremien mit den Schulleitungen und der Lehrerschaft, aber
auch eine gute Kooperation von Schule und Elternhaus stärken das Bildungswesen.
Heute werden immer neue, umfassendere Aufgaben an die Schule gestellt, der
administrative Aufwand für Lehrpersonen sowie Schulleitungen steigt stetig an. Diese
Aufgaben sollen auf das Minimum gesenkt werden.

 

These 2
Damit eine hohe Qualität der Bildung gewährleistet ist, sind die Aus- und
Weiterbildung der Lehrpersonen sowie der SchulleiterInnen entscheidend.

Eine Schule mit Qualität braucht kompetente Lehrpersonen und Schulleitungen. Die
Ausbildung der Lehrpersonen muss ermöglichen, der persönlichen Unterstützung der
Lernenden in ihrem Entwicklungsprozess als auch den fachlichen Ansprüchen der
jeweiligen Schulstufe gerecht zu werden. Eine umfassende Praxisausbildung, die nicht
einzig aus theoretischen Fallbesprechungen besteht, ist entscheidend für die
Ausbildungsqualität. Schulleiterinnen und Schulleiter verfügen über eine entsprechende
Ausbildung zur Schulleitung und bilden sich regelmässig zu den Themen
Personalentwicklung, Unterrichtsentwicklung und Organisationsentwicklung weiter.
Folgende Ausbildungswege sollen für die verschiedenen Schulstufen gelten:
• Primarstufe: Generalistenausbildung (FH) für die Unterstufe und die Mittelstufe
• Sekundarstufe I: Pädagogik/Didaktik (FH), Fachwissen (Universität)
• Sekundarstufe II (Gymnasium/FMS): Universitäre Fachausbildung,
Pädagogik/Didaktik (FH)
• Schulleitungen: CAS Schulleitungsausbildung (FH)

These 3
Vielfalt bereichert die Schule.

Die Schule ist schweizweit in einem 8-3-4 – System organisiert.
Die Schulen sowie die Gemeinden brauchen jenen Gestaltungsspielraum bei der
Umsetzung, der ihnen lokales und eigenständiges Gepräge ermöglicht. Die Schulen sollen
nicht im ganzen Kanton gleichgeschaltet werden, denn die unterschiedlichen
Rahmenbedingungen lassen keine „zentralistisch“ diktierte Vereinheitlichung zu.
Neben der bereichernden Vielfalt braucht es gemeinsame Standards, um Schülerinnen
und Schülern den Übertritt in eine andere Schule oder Schulstufe ohne Probleme zu
ermöglichen. Diese Standards sind den Erziehungsberechtigten transparent und
verständlich zu kommunizieren.
Der Lehrplan Volksschule Baselland definiert die zu erreichenden Ziele pro Schuljahr und
Schulfach. Die Schnittstellen zwischen den einzelnen Zyklen sind gewährleistet und
sollen am Ende einer Stufe (Zyklus) mit der nächst höheren Stufe abgesprochen sein.

Das Schulsystem soll durchlässig sein, standardisierte Leistungschecks
(Vergleichsprüfungen) sollen auf ein Minimum reduziert werden (max. drei Tests in acht
Jahren). Ein „teach to the test“ ist kontraproduktiv.
Die Förderung sozialer und persönlichen Kompetenzen sind im Lehrplan und in der
Stundentafel zu berücksichtigen. Die Klassenstunde ist dabei ein wichtiges Gefäss und
soll auf allen Schulstufen angeboten werden. Als Grundlage für die Förderung sozialer
und emotionaler Kompetenzen eignet sich die UN-Konvention über die Rechte des
Kindes.

These 4
Die erste Fremdsprache ist eine Landessprache.

Die Kommunikation in Fremdsprachen ist ein wesentliches Ziel. Die Verständigung und
der Zusammenhalt innerhalb der viersprachigen Schweiz gilt es zu stärken. Die erste
Fremdsprache ist deshalb eine Landessprache und soll in der 3. Primarschulklasse
eingeführt werden.
Austauschprogramme mit andern (Sprach-)regionen sollen auf allen Schulstufen über
Gemeinde-, Kantons- und Landesgrenzen hinweg gefördert werden. Ein frühes
„Sprachbad“ ist erfolgsversprechend und ist in unserem viersprachigen Land noch zu
wenig etabliert.

These 5
Tagesschulen ausbauen.

Flexible und bedarfsgerecht geführte Tagesschulen schaffen umfassend günstige
Bedingungen für die Bildung unsrer Kinder. Ein entsprechendes Angebot während der
Schulferien sollte ebenfalls vorhanden sein. So müssen junge Familien in Ausbildung oder
im Beruf nicht zurückstecken, um ihre Kinder zu betreuen. Die Vereinbarkeit von
Elternsein und Erwerbstätigkeit ist langfristig gewährleistet, was auch der Wirtschaft
dient.
Die Schulraumplanung soll zukunftsfähige Schulbauten mit Lern- und Lebensräumen für
den Ganztagesbetrieb vorsehen.

These 6
Integration und Chancengleichheit fördern.

Grüne Bildungspolitik setzt sich für Chancengleichheit und Gerechtigkeit zwischen den
Geschlechtern, für alle Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Herkunft und
Wohnort auf allen Bildungsstufen ein. (Lern-) Behinderte Kinder werden nach Möglichkeit
integrativ geschult.
Ausgebaute Tagesstrukturen und mehr männliche Lehrpersonen im Schuldienst sind
dabei unabdingbar.

These 7
Das duale Bildungssystem stärken.

Das duale Bildungssystem ist eine Stärke der Schweiz, die aktuell tiefe
Jugendarbeitslosigkeit ist ein Resultat davon. Damit die Berufslehre wieder an
Attraktivität gewinnt, sollen handwerkliche und gestalterische Fächer auf allen Niveaus
stärker gefördert werden. Die Berufswahl muss von der Schule, in Zusammenarbeit mit
den Erziehungsberechtigten, eng begleitet werden und es müssen genügend
Zeitressourcen zur Verfügung stehen. Eine solide Berufswahlbegleitung zahlt sich
langfristig aus.

These 8
Schwerpunkte setzen auf der Tertiärstufe.

Der Bund ist für die Tertiärstufe verantwortlich. Nichtsdestotrotz scheint es uns wichtig,
klare Grundsätze für diese Stufe zu definieren.
Das Konkurrenzdenken der einzelnen Fachhochschulen und Universitäten soll möglichst
gering gehalten werden. An einzelnen Standorten soll den Schwerpunkten eine grössere
Bedeutung beigemessen werden, Doppelspurigkeiten in den Regionen sind weitgehend
zu vermeiden. Masterstudiengänge sollen an Fachhochschulen nur in jenen Bereichen
angeboten werden, in denen keine Masterabschlüsse an Universitäten möglich sind (Bsp.
Musik, Kunst) oder wo eine klare Nachfrage aus der Wirtschaft für ein praxisorientiertes
Ausbildungsprofil auf Masterstufe besteht.
Durch die Wirtschaft bezahlte Lehrstühle und weiteres Sponsoring an Universitäten und
Fachhochschulen sind nur unter klaren Bedingungen mit öffentlicher Einsicht möglich.
Nebeneinkünfte und Nebenbeschäftigungen von leitenden Hochschulangestellten sollen
geregelt und transparent sein.
Die Freiheit der Lehre und Forschung darf dadurch nicht beeinträchtigt werden.

Grüne BL / Dezember 2014