Stellungnahme Neupositionierung der Brückenangebote beider Basel

Vernehmlassung zur Landratsvorlage Neupositionierung der Brückenangebote beider Basel: Aufbau eines Zentrums für Brückenangebote Basel-Landschaft

Sehr geehrte Frau Monika Gschwind

Wir danken Ihnen für die Einladung zur Stellungnahme „Neupositionierung der Brückenangebote beider Basel: Aufbau eines Zentrums für Brückenangebote Basel-Landschaft“.

Wie bereits in unserer Stellungnahme im 2015 zur Landratsvorlage „Verankerung der dualen und schulischen Brückenangebote im Bildungsgesetz“ erwähnt, sehen die Grünen Baselland eine Gesamtschau der Brückenangebote als Chance für Synergien und eine effizientere Einsetzung der Mittel. Die Grünen Baselland begrüssen das Strukturmodel „schulisch, kombiniert, integrativ“. Dem Ziel einer höheren Flexibilisierung und Durchlässigkeit und damit mehr individuellem Unterricht stehen wir positiv gegenüber. Die untergeordnete Rolle der Noten und die Fokussierung auf die Stärken der Schüler und Schülerinnen, sind an diesem Punkt der Laufbahnplanung für die Jugendlichen enorm wichtig und hilfreich.

Die Grünen Baselland sind aber weiterhin der Meinung, dass es alle bereits bestehenden Brückenangebote braucht. Schüler und Schülerinnen, welche die Brückenangebote nutzen werden, bringen unterschiedliche Vorrausetzungen und Berufswünsche mit. Ausser unkonkreten Berufszielen, schulischem Nachholbedarf und Bewerbungsabsagen, gibt es auch Berufswünsche, bei welchen sich aus Jugendschutzgründen Einschränkungen ergeben. Dies betrifft Berufe, bei welchen Nacht- und Sonntagsarbeit nötig ist. (siehe auch https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Arbeit/Arbeitsbedingungen/Arbeitnehmerschutz/Jugendliche.html) Es sind nicht für alle diese Berufe Praktika vorhanden und möglich. Viele Jugendliche überbrücken diese Zeit – meist 2 Jahre – mit der Absolvierung von WMS oder FMS. Dies steht allerdings im Widerspruch zur regierungsrätlichen Absicht, den direkten Einstieg in die Berufswelt zu fördern. Diese „Wartezeit“ sollte aber auch für eine weitergehende Bildung von Wissen und Fähigkeiten aufbauend über 2 Jahre genutzt werden können.

Ergänzend möchten wir noch darauf hinweisen, dass es einen hohen Bildungsbedarf von erwachsenen Menschen gibt, die nicht (mehr) für Brückenangebote in Frage kommen. Laut UNESCO SCHWEIZ verfügen rund 16 Prozent – also 800’000 – der über 15jährigen Menschen, die in der Schweiz wohnen, nicht über die formalen Grundkompetenzen. Diese Grundkompetenzen braucht es aber, um in unserem Land als Erwachsene integriert und beruflich erfolgreich zu sein. Ein grosser Teil sind Zugewanderte, die hierbleiben werden. An sich motivierte Menschen, welche aber unsere Sprache nicht gut verstehen, sprechen und schreiben können und deren mathematischen Fertigkeiten oft ungenügend sind. In verschiedenen Gemeinden betrifft dies Menschen in einer Anzahl im 4-stelligen Bereich. Die Gemeinden verweisen auf den Kanton. Hier wäre eine weitere Möglichkeit, die Ressourcen eines 2-jährigen Angebots wenigstens für die jungen Erwachsenen zu öffnen.

Die Ausnahmeregelungen in der Arbeitsversion des Bildungsgesetzes gehen von Schüler und Schülerinnen mit schulischen Defiziten aus. Dem ist aber nicht immer so. Die Ausnahme ein zweites Brückenjahr zu besuchen darf nicht zu Wiederholungen führen. Ein zusätzliches Jahr muss – sinnvoll ergänzend – auf erlangtes Wissen aufgebaut und effizient genutzt werden und darf auch nicht zu einer Unterforderung führen. Der neue Gesetzestext und die Begründungen sagen darüber nichts aus. Mit diesen Formulierungen ist ein 2 jähriges Brückenangebot negativ besetzt. Erziehungsberechtigte werden so weiterhin die Fachmittelschulen WMS und FMS berücksichtigen.

Eine entsprechende Anpassung/Überarbeitung des Lehrziels der BVS2 können wir uns aber vorstellen.

Der direkte Einstieg in eine Lehre ist mittlerweile auch für Schulabgänger, welche ohne Repetition die 11 Schuljahre absolviert haben, schwierig geworden. Aufgrund des tieferen Einschulungsalters durch Harmos sind diese Jugendlichen vielfach erst 15-jährig. Das ist eine zusätzliche Hürde für einen Lehrvertrag im direkten Anschluss an die Schule. Viele Lehrbetriebe sind der Ansicht, dass den Jugendlichen die Reife fehlen würde. In einigen Fällen können wir dieser Argumentation folgen. Eine falsche Berufswahl ist nicht förderlich, führt zu unnötigen Lehrabbrüchen und schwierigen Versagenserfahrungen. Auch dieser steigenden Problematik muss mit geeigneten Mitteln entgegen gewirkt werden.

Aus diesen Gründen sind die Grünen Baselland skeptisch, dass sich die finanziellen Auswirkungen bei der Aufwandsminderung von ca. 3.2 Mio halten lassen. Mit Aufwandsminderung durch Effizienz sind wir einverstanden. Lediglich spartechnisch begründete Aufwandsminderungen ohne Rücksicht auf individuelle Laufbahnförderung lehnen wir ab.

Die Grünen Baselland sind gegen die Überführung der Berufsvorbereitungsschule (BVS2) in ein einjähriges Brückenangebot ab. Unserer Meinung nach wird es weiterhin ein 2-jähriges schulisches Angebot geben müssen. Die BVS2 hat die besten Voraussetzungen und die grösste Erfahrung. Dieses Wissen und die Kompetenzen gehen so auch nicht verloren. Zusätzlich könnten wir uns auch eine Kombination mit zusätzlichem Sprachaufenthalt/Schul- oder Praktika-Austausch mit dem Jura, analog Gymnasium vorstellen. Zu berücksichtigen sind dabei die Kosten, welche nicht für alle Erziehungsberechtigten tragbar sind. Ein solches Angebot könnte durch die Berufsbildungsverbände beider Basel entwickelt werden.

Das Hauptziel sollte sein, allen Jugendlichen eine ihren Fähigkeiten entsprechende  berufliche Ausbildung zu ermöglichen. Wenn dies vereinzelt über mehrere verschiedene Brückenangebote oder ein 2-jähriges Angebot erreicht wird, ist dies kostengünstiger als Langzeit-Sozialfälle oder vermeidbare unnötige Anmeldungen in 4-jährige Fachmittelschulen.

Wichtig für die Effizienz ist eine individuelle Beratung der SchülerInnen, der Erziehungsberechtigten und der BerufsschullehrerInnen. Eine Zugangssteuerung und die Bedarfsorientierung durch das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung (AfBB) müssen transparent kommuniziert werden. Die Organisation der Triage und die entsprechenden Richtlinien müssen bekannt sein. Zuteilungen der Jugendlichen in ein vermeintlich passendes Angebot dürfen nicht durch Druck erfolgen. Die Gefahr von Schul- und Lehrabbrüchen ist dadurch gross und muss vermieden werden. Eine Unterforderung ist genauso zu vermeiden wie eine Überforderung.

Fazit: Die Grünen Baselland lehnen die Überführung der BVS2 in ein einjähriges Brückenangebot ab.

Die Kooperation mit Basel-Stadt halten wir für eine Selbstverständlichkeit. Bewegen wir uns doch alle in einer gemeinsamen Wohn- und Arbeitsregion. Auch können die finanziellen, personellen und strukturellen Ressourcen gemeinsam genutzt werden.

Wir bitten Sie, unsere Ausführungen zu prüfen und in der Weiterentwicklung der Vorlage zu berücksichtigen.

Für Fragen und weitere Ausführungen stehen wir gerne zur Verfügung.