Strahlenbelastung in den Schulzimmern

Interpellation von Lotti Stokar für die Landratssitzung vom 25. März 2021

Der Bildungsbericht des Kantons Basel-Landschaft 2019 stellt fest: Die Digitalisierung prägt unsere Gesellschaft und verändert den Kontext, in dem Lehren und Lernen stattfindet (Ziff.3.7). Im Juni 2019 verabschiedete die BKSD die Digitalisierungsstrategie Schulen BL. Für die Primarschulen sind die Gemeinden zuständig. Sie regeln die ICT- und Mediennutzung in einem Medienkonzept im Schulprogramm. Seit dem Schuljahr 2020/21 werden alle Sekundarschülerinnen und -schüler ab der ersten Klasse aufsteigend mit persönlichen Tablets ausgestattet. Die Informations- und Kommunikationstechnologien werden an allen Schulen der Sekundarstufen I und II ausgebaut und auf einen vergleichbaren Standard gebracht. Dazu gehören leistungsfähige Netzwerkzugänge und WLAN-Ausbau.

Mit einem Leitfaden «ICT-Infrastruktur für Primarschulen» erhalten Schulleitungen und Schulräte Empfehlungen für die Nutzung im Unterricht, aber auch für die Beschaffung und den Betrieb. Es geht hauptsächlich um die Vernetzung der Unterrichtsräume, den Zugang zur ICT-Infrastruktur, die Geräte selbst und deren Support sowie das ICT- und Medienkonzept. Zusätzliche Massnahmen werden im Bereich Informationssicherheit und Datenschutz vorgesehen.

Gänzlich fehlt ein Kapitel zum Gesundheitsschutz für die Schülerinnen und Schüler, wie auch für die Lehrpersonen. Nun mehren sich Stimmen von Experten, welche vor dem Einsatz kabelloser, digitaler Geräte und vor stets eingeschalteten WLAN-Sendern an Schulen warnen und darauf aufmerksam machen, dass sensiblere Kinder und Erwachsene auf die Strahlenbelastung mit Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen reagieren.

Sie fordern zum Schutz der Schulbeteiligten:

  • statt WLAN an Schulen Verkabelung
  • Schnelle DSL-Verbindungen über Glasfaser
  • TabletPCs mit Option zu einem Kabelanschluss

Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz fordern eine nachhaltige Netzwerkplanung (Fachzeitschrift oekoskop, 2/2020): «Dazu gehören ein leistungsfähiges Glasfasernetz bis in die Gebäude kombiniert mit kabelgebundenen (LAN) bzw. wo gewünscht mit wenig strahlenden lokalen Netzwerken, welche die Nachbarschaft nicht belasten. Dazu gehören auch strahlungsarme Endgeräte und informierte Nutzerinnen, die wissen, wie sie Mobilfunk gesundheitsverträglicher nutzen können.»

Im Januar 2021 hat die BERENIS (beratende Expertengruppe nichtionisierende Strahlung des Bundes) in einem Sondernewsletter festgehalten, dass hochfrequente Strahlung zu oxidativem Stress führen kann, sogar im niedrigen Dosisbereich. Dies kann bei Vorschädigungen oder Dauerbelastung zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen. Kinder sind dabei empfindlicher als Erwachsene.

In diesem Zusammenhang bitte ich die Regierung folgende Fragen zu beantworten: 

  1. Ist es überhaupt notwendig im Unterricht WLAN zu verwenden oder kann darauf verzichtet werden? Kann allenfalls eine zeitliche Limite eingeführt werden? Gibt es Alternativen zu WLAN?
  2. Kann die hochfrequente Strahlenbelastung (Handy, WLAN, Bluetooth) generell in den Schulräumen überprüft werden: Kann der Kanton Grenzwerte dafür vorgeben?
    Wie steht es damit in den Primarschulen, wie in den Sekundarschulen und den weiterführenden kantonalen Schulen?
  3. Welche der empfohlenen Massnahmen sieht der Regierungsrat in den kantonalen Schulgebäuden vor, um die zunehmende Strahlenbelastung zu minimieren? Werden Lehrpersonen allgemein betreffend Umgang mit der Strahlenbelastung und deren Problematik sensibilisiert?
  4. Werden die Schulleitungen resp. der technische Dienst darauf aufmerksam gemacht resp. darin unterstützt, drahtlose Zugangspunkte (Access Points) optimal zu positionieren?
  5. Werden einfach zu nutzende Schalter eingebaut, sodass Lehrpersonen das WLAN bei Nichtgebrauch ausschalten können?
  6. Werden die Schülerinnen und Schüler instruiert und dazu angehalten ihre Geräte so einzustellen, dass die Strahlung minimal ist?
  7. Ist die Regierung bereit, den Leitfaden ICT-Infrastruktur für Primarschulen zu überarbeiten, da er technisch überholt ist?
  8. Ist die Regierung bereit, den Leitfaden ICT-Infrastruktur für Primarschulen zu ergänzen mit Empfehlungen für eine Minimierung der Strahlenbelastung an den kommunalen Schulen?

Weitere Auskünfte:

Lotti Stokar

Landrätin, Vorstand Grüne BL, Grüne Leimental
Rechtsanwältin/Mediatorin

Infos zur Person

Mandate

  • Landrätin, GPK (Geschäftsprüfungs-Kommission), BPK (Bau- & Planungskommission)
  • Vorstand Südumfahrung Nein
  • Vorstand Grüne BL