Wasser- und Umweltbelastung durch Biozide an Hausfassaden & Polystyrol-Dämmplatten

Interpellation von Laura Grazioli für die Landratssitzung vom 20. Mai 2021

Die Wärmedämmung von Gebäuden ist eine effektive Massnahme zum Einsparen von Energie. Bei Neubauten und Altbausanierungen ist die Aussenwärmdämmung aufgrund der einfachen Ausführung und den relativ tiefen Kosten am weitesten verbreitet. Die Fassadenkonstruktion hat sich dabei durch die Entwicklung moderner Dämmstoffe und kunstharzgebundener Mörtel und Putze völlig verändert. Anstelle von Schalenmauer- oder Fachwerken mit mineralischem Putzaufbau werden heute dank synthetischer Wärmedämmplatten hauptsächlich Gebäudehüllen aus Kunststoff gebaut.

Diese Bauweise führt zu einer thermischen Abkoppelung der Fassade vom beheizten Raum und von der massiven Wandkonstruktion, weshalb aussen isolierte Fassaden zu Algen- und Pilzbefall neigen. Solch mikrobiologischer Bewuchs wurde anfänglich primär als ästhetischer Mangel eingestuft, mittlerweile wird der Befall aber häufig als Bauschaden reklamiert.

Zahlreiche Hersteller konventioneller Wärmedämmverbundsysteme schützen sich vor solchen Gewährleistungsansprüngen mit einem unverantwortbaren Einsatz an Bioziden – sowohl beim Putz als auch beim Anstrich. Diese Gifte werden gemeinhin als «Schichtkonservierung» und «Oberflächenschutz» bezeichnet. Mit bioziden Zusätzen wird das Problem an der Fassade jedoch lediglich verschoben. Denn nach dem unvermeidlichen Auswaschen der Giftstoffe besteht erneut das Risiko von mikrobiologischem Befall. Die ausgewaschenen Biozide belasten unsere Umwelt und Gewässer.

Es bestehen heute gute Alternativen, mit denen komplett auf biozide Wirkstoffe gegen Algen und Pilze verzichtet werden kann. Diese werden aber noch in den selteneren Fällen verwendet – nicht zuletzt aus Kostengründen. Die Problematik wurde auch auf Bundesebene erkannt, allerdings bisher ohne konkrete Folgen: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/chemikalien/fachinformationen/sorgfaeltiger-umgang-mit-biozidprodukten/materialschutz/verputzte-fassaden.html 

Neben den Bioziden stellen die grösstenteils aus Polystyrol bestehenden Dämmplatten ein weiteres Umweltproblem dar. Einerseits handelt es sich um einen erdölbasierten Dämmstoff, dessen Herstellung selbst energieintensiv ist, andererseits ist die spätere Entsorgung problematisch, denn die Dämmplatten sind mit diversen, u.a. brandhemmenden Chemikalien behandelt, weshalb sie nicht in regulären Kehrichtverbrennungsanlagen entsorgt werden können. Auch hier bestehen diverse umweltschonendere Alternativen, auf die allerdings – ebenfalls primär aus Kostengründen – wesentlich seltener zurückgegriffen wird als auf Polystyrol-Platten.

Der Regierungsrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:
Zu den Bioziden: 

  1. Wie gross ist die Problematik der Biozide an Hausfassaden bzw. deren Auswaschung im Kanton Basel-Landschaft bzw. welchen Anteil trägt diese an der Verschmutzung von Umwelt und Gewässern?
  2. Ist man sich in der Regierung und Verwaltung dieser Biozid-Problematik bewusst und wie wird damit umgegangen?
  3. Wird bei öffentlichen Aufträgen darauf geachtet, dass Alternativen zu mit Bioziden angereicherten Farben verwendet werden und wenn nein, weshalb nicht?
  4. Wird ein Verbot des Einsatzes von Bioziden an Hausfassaden in Betracht gezogen und wenn nein, weshalb nicht?
  5. Wird in Betracht gezogen, gezielt Anreize zu setzen für die Verwendung nicht-biozider Alternativen und wenn ja, wie könnten diese aussehen?

Zu den Polystyrol-Dämmplatten:  

  1. Welches Umweltschutz-Potenzial könnte durch die Verwendung von alternativen Dämmstoffen und einen Verzicht auf Polystyrol-Dämmplatten realisiert werden?
  2. Ist man sich in der Regierung und Verwaltung dieser Problematik bewusst und wie wird damit umgegangen?
  3. Wird bei öffentlichen Aufträgen darauf geachtet, dass Alternativen zu Polystyrol-Dämmstoffen verwendet werden und wenn nein, weshalb nicht?
  4. Wird ein Verbot des Einsatzes von Polystyrol-Dämmplatten in Betracht gezogen und wenn nein, weshalb nicht?
  5. Wird in Betracht gezogen, gezielt Anreize zu setzen für die Verwendung natürlicher Alternativen zu Polystyrol-Dämmplatten?

Weitere Auskünfte:

Laura Grazioli

Vizepräsidentin Grüne BL, Landrätin
Landwirtin

Infos zur Person

Mandate

  • Landrätin, Präsidentin Finanzkommission, Interparlamentarische Konferenz der Nordwestschweiz
  • Gemeindekommission Sissach
  • Vorstand Grüne Sissach
  • Vorstand Grüne Baselland
  • Geschäftsleitung Grüne Baselland