Motion von Gzim Hasanaj für die Landratssitzung am 11. Juni 2026

In den letzten Jahren wurde das von der ETH-Professorin Sibylle Wälty entwickelte Konzept der 10-Minuten-Nachbarschaft wiederholt in der Öffentlichkeit diskutiert. Bereits zuvor hatte Carlos Moreno von der Pariser Universität Sorbonne das Konzept der 15-Minuten-Stadt formuliert. Das 15- oder 10-Minuten-Modell sieht vor, dass wichtige Alltagsbedürfnisse wie Arbeiten, Einkaufen, Bildung und Kultur innerhalb von 10 oder 15 Minuten vom Wohnort aus zu Fuss, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können.

Um dies zu erreichen, soll gemäss dem ETH-Konzept das Verhältnis von Einwohnern zu Arbeitsplätzen 2:1 betragen. Dieses Verhältnis war in der Schweiz bis in die 1960er Jahre noch weitgehend gegeben. Im Kanton Basel-Landschaft ist es durch die starke Bautätigkeit in der Folge in vielen Gemeinden verloren gegangen.

Leider war die Raumplanung in unserem Kanton diesbezüglich vielerorts zu wenig vorausschauend. Mit einem neuen Raumplanungskonzept sollen unsere Gemeinden auf dem Weg zu 10-Minuten-Nachbarschaften unterstützt werden.

Während es in Basel-Stadt zu viele Arbeitsplätze und zu wenig Wohnraum gibt, ist die Situation in vielen Baselbieter Gemeinden umgekehrt. Nur wenige Gemeinden in unserem Kanton erfüllen dieses Kriterium heute. Die anderen Gemeinden haben entweder zu viele oder zu wenige Arbeitsplätze. Die Erfüllung dieses Kriteriums würde nicht nur die Wirtschaftsleistung steigern, sondern auch die Finanzen und die Lebensqualität verbessern. Die Folgen dieser Entwicklung sind Pendlerströme, verstopfte Strassen und überfüllte öffentliche Verkehrsmittel. 

Durch mehr Arbeitsplätze pro Gemeinde werden die Pendlerströme reduziert und der Verkehr beruhigt. Diese Massnahme wirkt sich auch positiv auf die Umwelt aus. Gemeinden mit zu wenigen Arbeitsplätzen sollten eine Strategie entwickeln, wie sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten mehr Arbeitsplätze schaffen können. Dies kann auch in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden erfolgen. In Gemeinden mit sehr vielen Arbeitsplätzen sollte eine Strategie für mehr bezahlbaren Wohnraum entwickelt werden.

Das Wohnen und Arbeiten im gleichen Quartier soll unter Berücksichtigung der zulässigen Lärmemissionen für ein Wohnquartier möglich sein.

Urbane Räume sollen mutig neu geplant werden.

Antrag:

  1. Der Regierungsrat wird beauftragt, bei der nächsten Revision des Raumplanungsgesetzes die Voraussetzungen zu schaffen, damit die Gemeinden bei der Entwicklung von 10-Minuten-Nachbarschaften unterstützt werden können.
  2. Das Ziel besteht darin, das Kriterium „ein Arbeitsplatz pro zwei Einwohner” zu erreichen. Um dies zu erreichen, soll die Zusammenarbeit der Nachbargemeinden sowie die Schaffung gemeinsamer Wirtschaftszonen gefördert werden.
  3. Die Gemeinden, die das Kriterium „ein Arbeitsplatz pro zwei Einwohner” erfüllen, sollen im Finanzausgleich angemessen entlastet (Gebergemeinden) oder belohnt werden (Empfängergemeinden).
  4. Für Gemeinden mit sehr vielen Arbeitsplätzen soll eine Strategie für mehr bezahlbaren Wohnraum entwickelt werden.