Perspektive Berufsbildung: Professionelle ICT-Lehrstellenförderung
Motion von Peter Hartmann für die Ratssitzung am 27. November 2025
Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche und ermöglicht nicht nur steigende Produktivität, sondern durch Anwendungen wie Smart City Planning oder Smart Building auch energieeffiziente und nachhaltige Entwicklungen in den verschiedensten Bereichen. Aufgrund dieser Entwicklung werden in der ganzen Schweiz ICT-Fachkräfte gesucht. Sowohl Anbieter als auch Anwender von ICT-Dienstleistungen haben einen hohen Bedarf an Softwareentwicklerinnen und -entwicklern, IT-Ingenieurinnen und -Ingenieuren, Cyber Security-Spezialistinnen und -Spezialisten, aber auch Daten-Analystinnen und -Analysten. Das Institut für Wirtschaftsstudien Basel (IWSB) schätzt im Auftrag von ICT-Berufsbildung Schweiz, dass bis 2030 in der Schweiz etwa 38’700 ICT-Fachkräfte fehlen werden.
Auch in der Region Basel benötigen wir aufgrund der zunehmenden Digitalisierung immer mehr ICT-Fachkräfte. Während sich auf der Tertiärstufe mit der neuen Hochschule für Informatik der FHNW und der steigenden Anzahl Studierender in den Informatikstudiengängen der Universität Basel einiges tut, besteht in der ICT-Berufsbildung Handlungsbedarf. Denn in der Region Basel fehlen ausreichend ICT-Lehrstellen.
In den beiden Basel wurden 2023 lediglich drei Prozent aller Fähigkeitszeugnisse im ICT-Bereich ausgestellt. Zum Vergleich: Im Kanton Zürich betrug dieser Anteil im gleichen Jahr 18 Prozent. Trotz des bestehenden Bedarfs und des wachsenden Interesses an ICT-Berufen seitens der Schülerinnen und Schüler sowie ICT-Frühförderangeboten wie dem ICT-Campus bieten viele Betriebe keine ICT-Lehrstelle an. Ein Grund dafür ist der hohe administrative Aufwand, der mit der Ausbildung von Lernenden verbunden ist. Zudem fehlen oft qualifizierte Berufsbildnerinnen und Berufsbildner. Die Funktion der Berufsbildnerin bzw. des Berufsbildners lässt sich mit dem Tagesgeschäft zum Teil nur schwer vereinbaren und wird teilweise sogar als karrierehemmend wahrgenommen. Hinzu kommt, dass viele Betriebe nicht das gesamte, geforderte Spektrum der betrieblichen Leistungsziele abdecken können.
Andere Kantone der Region reagieren auf den ICT-Fachkräftemangel bereits mit Massnahmen. Im Kanton Solothurn etwa betreibt die lokale Sektion der ICT-Berufsbildung Schweiz ein Ausbildungszentrum für ICT-Berufe. Angeboten wird dort unter anderem ein Basislehrjahr, in dem Lernende die für die ICT-Ausbildung notwendigen Grundkompetenzen erwerben können. Das ermöglicht es denjenigen Betrieben, die nicht alle abzudeckenden Lerninhalte anbieten können, trotzdem Lehrstellen anzubieten und Lernende auszubilden.
Da ICT-Berufe eine sehr hohe Männerquote haben, lässt sich dem Fachkräftemangel im ICT-Bereich nur dann nachhaltig begegnen, wenn Mädchen und junge Frauen vermehrt für ICT-Berufe gewonnen werden können.
Um den kontinuierlich steigenden Bedarf der regionalen Wirtschaft an qualifizierten ICT-Fachkräften decken zu können, ist eine gezielte Professionalisierung der Lehrstellenförderung im ICT-Bereich unerlässlich. Betriebe, die ICT-Lehrstellen anbieten oder dies in Zukunft tun möchten, sollen durch gezielte Entlastungsmassnahmen unterstützt werden.
Die ICT-Lehrstellenförderung umfasst folgende Massnahmen:
- Systematische Lehrstellenberatung gegenüber Betrieben: Mithilfe von Informationskampagnen, Best-Practice-Beispiele sowie persönlichen Gesprächen sollen Betriebe ermutigt werden, Lehrstellen im ICT-Bereich anzubieten und damit in die Ausbildung von ICT-Fachkräften zu investieren.
- Unterstützung der Betriebe in der betrieblichen Ausbildung: Unterstützung der Lehrbetriebe bei administrativen Aufgaben und Beratung bei der Ausbildungsorganisation, sowie Vermittlung von Koordinationsmöglichkeiten mit anderen Betrieben zur Erfüllung der betrieblichen Leistungsziele. Aufbau eines Basislehrjahrs mit geeigneten Partnern.
- Einführung eines Anerkennungspreises für Top-Ausbildungsbetriebe: Auszeichnung für ausserordentliches Engagement von ICT-Lehrbetrieben. Die Nominierung der Preisträgerinnen und Preisträger soll durch ein Voting der Lernenden erfolgen, um deren Perspektive aktiv einzubeziehen.
- Unterstützung weiterer Fördermassnahmen rund um ICT-Lehrstellen: Talent-Scouting und Berufsmarketing mit besonderem Fokus auf Mädchen und jungen Frauen.
Für die Umsetzung dieser Fördermassnahmen stellen die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft für die nächsten vier Jahre gemeinsam einen angemessenen Betrag zur Verfügung. Sie beauftragen einen geeigneten Partner, der über genügend personelle Ressourcen, ein starkes bikantonales Netzwerk sowie das erforderliche Fachwissen verfügt. In enger Zusammenarbeit mit dem Informatik Lehrbetriebsverband (ILV) und dem Ausbildungszentrum aprentas soll er die Lehrstellenförderung im ICT-Bereich erfolgreich realisieren. Zudem soll ein Ausbildungsverbund als Plattform für den Austausch von Wissen, Ressourcen und Erfahrungen etabliert werden.
Die Unterzeichnenden fordern den Regierungsrat auf, eine angemessene Anschubfinanzierung über vier Jahre bereitzustellen, um die genannten Massnahmen zur ICT-Lehrstellenförderung umzusetzen und die ICT-Berufsbildung in der Region Basel nachhaltig zu stärken. Zusammen mit dem Kanton Basel-Stadt soll innerhalb von zwei Jahren ein geeigneter, bikantonal agierender Partner mit der Lehrstellenförderung im ICT-Bereich beauftragt werden.
Eine ähnlich lautende Motion wurde auch im Grossen Rat im Kanton Basel-Stadt eingereicht.